Dampflok Siebenbürgen Fotos, Zeichnungen und Erlebnisberichte vom Künstler Arnold Müll
Dampflok SiebenbürgenFotos, Zeichnungen und Erlebnisberichte vom Künstler Arnold Müll

Vorwort
Kronstadt (Brasov),August 1914
Es war in meiner noch ungarischen Heimat Siebenbürgen.  Ich war 8 Jahre alt. Meine Mutter und wir drei Kinder, begleiteten unsern Vater zum “Großen Bahnhof”. Er mußte, wie viele hunderttausend andere Väter,” in den Krieg ziehen- in`s Feld einrücken”. Wir betraten das von mir noch nie gesehene Stationsgebäude und dann draußen den langen Bahnsteig. Trotz des heftigen persönlichen Shmerzens und der allgemeinen Abschiedswelle, die sich an diesem Militärzug ausbreitete, machten meine neugierigen Augen in dieser neuen Welt, eine für mich ungeheure Entdeckung. Drüben, halb abseits, stand eine ungewöhnlich große Lokomotive, ein gewaltiges Dampfroß. Sie hatte “mehrere” Zylinder auf einer Seite und insgesamt sechs große Räder, fürwahr ein Riesenkoloß. Daß es überhaupt so etwas gab, konnte mein noch junges Hirn kaum begreifen. Es war, wie ich erst viel später erfahren sollte, die größte ungarische Dampflok, die Mallet 1C+C. Ohne unsern Vater, daheim angekommen, hatte ich nicht eiligeres zu tun, als diese Maschine mindestens zehnmal zu zeichnen. Die Blätter gingen alle verloren und diese Lokomotive sah ich niemehr wieder.Die Zeichnungen entstanden auf der Rückseite ausgedienter, mehrseitiger ungarischer Frachtbriefe aus unserer Kanzlei. Wahrscheinlich wurde die Lokomotive im Bergdienst auf der Karpatenstrecke Kronstadt-Predealpaß (ung./rum. Grenze) eingesetzt.
Kronstadt,Schnittpunkt mehrerer Eisenbahnlinien. 
Kronstadt ist Knotenpunkt von fünf hier zusammenlaufenden Schienensträngen. Es besitzt zwei Bahnhöfe. Der alte Hauptbahnhof aus der österreich-ungarischen Monarchie besteht nicht mehr. Er wurde 1944 durch amerikanische Bomberverbände schwer getroffen.

Da die Stadt sich von Jahr zu Jahr  immer weiter in die Ebene ausdehnte, beschloss man den hierbei notwendig gewordene Gleisbegradigung, den alten Bahnhof ganz abzureißen und zu verlegen. Es entstand weiter westlich, nach neuen Plänen ein neuer moderner Bahnhof. Das Lokomotivdepot wurde ebenfalls abgerissen und nordöstlich Richtung an die Strecke Sf.Gheorge verlegt. Der zweite Bahnhof an der Bartholomäuskirche blieb im zweiten Weltkrieg erhalten, wurde aber im Zuge  des Neuaufbaues des Verkehrswesens erweitert und ebenfalls modernisiert. Ein Lokdepot besitzt dieser Bahnhof nicht. Die nach dem zweiten Weltkrieg ausgebaute zweigleisige Hauptstrecke Bukarest-Kronstadt über den Predealpass, die auch seit 1968 bereits elektrifiziert ist, teilt sich westlich hinter dem neuen Hauptbahnhof. Die eine, wiederum nur eingleisig (ohne elektr.Fahrdraht), führt nordwestlich durch das Burzenland über Zeiden (Codlea), weiter über die Städte Fogarasch, Hermannstadt nach Arad und schließlich nach Budapest. Die Teilstrecke Kronstadt-Hermannstadt, die bis zum zweiten Weltkrieg als Nebenlinie fungierte, wurde als eingleisige Schnellzugstrecke ausgebaut. Wiener Walzer, Orient Express sowie der Wien-Budapest-Bukarest Express. Die andere Eisenbahnlinie, ebenfalls eingleisig und nicht elektrifiziert, führt über die Städte Mediasch, Teiusch, Klausenburg, Großwardein, ebenfalls nach Budapest. Sie ist die klassische Schnellzugstrecke aus der östereichisch-ungarischen Monarchie. Auf ihr verkehren heute unter andern die Schnellzugpaare: Nord-Orient und der Balt Orient Express. Eine vierte Linie geht weiter östlich in den aüßersten Norden Rumäniens zu den Städten Baia Mare unweit der rumänischen-russischen Grenze. Auf ihr verkehren unter anderm mehrere Innlandschnellzüge.

Schließlich leitet eine Nebenlinie durch das westliche Burzenland über die Orte Neustadt, Rosenau nach Zerneschti am Kleinen Königstein gelegen. Hier in Bergsteigerkreisen sehr bekannt, zur Ersteigung der imposanten 10 km langen und 600 m hohen Kalksteinmauer des 2240 m hohen Großen Königsteins. Auf allen vorhin erwähnten Eisenbahnstrecken wurden bis um 1960 durchweg Dampflokomotiven eingesetzt. Wie aus dem Vorhergehenden geschlossen werden kann, mußte demnach Kronstadt über ein überragendes Dampfdepot verfügen, was in der Tat, vor allem in der Dampflockzeit auch zutraf. Dieses Bahnbetriebswerk, das ja nun in dieser Form nicht mehr existiert, das Flachland-Gebirgs-und Nebenbahndampf-Lokomotiven beherbergte, ist dem Autor seit den 20-er Jahren bekannt. Dieses wird auch im Artikel "Der Lokomotiv-Zug" zum Teil beschrieben.